Nach Einschätzung des HEV Graubünden sprechen die heutigen Marktverhältnisse jedoch eher für eine Stabilisierung der Preise als für einen flächendeckenden Preisrückgang.
Ferienwohnungen bleiben häufig im Familienbesitz
Der aktuelle Trend zeigt, dass insbesondere Ferienwohnungen häufig im Besitz von Erbengemeinschaften verbleiben oder im Rahmen einer Erbteilung auf eine einzelne Person übergehen. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Ferienwohnungen sind oftmals nur gering belehnt, sodass bei den Erben in der Regel kein unmittelbarer Bedarf an Liquidität besteht. Zum anderen sind Ferienwohnungen weit mehr als nur eine Immobilie. Sie sind mit Erinnerungen, gemeinsamen Erlebnissen und Emotionen verbunden und haben deshalb einen hohen ideellen Wert.
Warum viele Ferienwohnungen gar nicht auf den Markt kommen
Viele Eigentümerinnen und Eigentümer haben ihre Ferienwohnung vor Jahren oder gar Jahrzehnten erworben, und zwar zu Preisen, von denen man heute nur noch träumen kann. Wirtschaftliche Überlegungen standen dabei oftmals kaum im Vordergrund. Vielmehr waren es die Freude am Aufenthalt in den Bergen und die gemeinsame Zeit mit der Familie, welche den Kaufentscheid prägten. Entsprechend besteht auch heute häufig der Wunsch, die Immobilie innerhalb der Familie zu erhalten und an die nächste Generation weiterzugeben.
Hinzu kommt, dass Banken Zweitwohnungen traditionell zurückhaltender finanzieren als Erstwohnsitze. Der Erwerb einer Ferienwohnung setzt daher in der Regel ein hohes Eigenkapital voraus. Wer eine gering belehnte Ferienwohnung erbt, wird diese deshalb kaum verkaufen. Viele Eigentümer befürchten zudem, bei einem Verkauf nie wieder ein vergleichbares Objekt erwerben zu können. Zumal in Bergregionen das Angebot begrenzt ist und neue Zweitwohnungen aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nur noch in beschränktem Umfang entstehen. Da weder ein finanzieller noch ein zeitlicher Verkaufsdruck besteht, fehlt häufig auch die Bereitschaft, Preiszugeständnisse zu machen.
Sollten sich die Preisvorstellungen der Eigentümer bei einem geplanten Verkauf nicht realisieren lassen, verstärkt sich diese Haltung zusätzlich. In vielen Fällen wird dann entschieden, die Wohnung weiterhin zu behalten.
Hohe Nachfrage trifft auf knappes Angebot
Die Nachfrage nach Feriendomizilen in den Bergen ist nach wie vor hoch. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung weiter, was für die immer selten werdenden Zweitwohnungen schon heute preistreibenden Charakter hat. Dichtestress in den Zentren, die Sehnsucht nach Natur und Ruhe, das Nebelwetter im Unterland, steigende Temperaturen sowie auch flexiblere Arbeitsmodelle machen den Aufenthalt in den Bergen attraktiver denn je. Viele Menschen wünschen sich einen Rückzugsort.

Stabile Preise statt Preiszerfall
Der HEV Graubünden geht deshalb davon aus, dass sich die Preisanstiege zwar abschwächen werden, die Preise sich jedoch eher auf hohem Niveau stabilisieren oder seitwärts entwickeln, als dass ein flächendeckender oder gar massiver Preiszerfall eintritt. Dies gilt trotz des bereits heute hohen Preisniveaus bei Immobilien.



