Bündner Wohneigentum

Zeitschrift des Hauseigentümerverbands Graubünden

Ausgabe 123 | November 2023

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Das war 2022 – Jahresbericht HEV Graubünden

Januar

Der HEV behauptet sich auch in der Krise

Der Hauseigentümerverband Graubünden (HEV) wurde am 18. Juli 1936 gegründet, ist jedoch danach wieder eingeschlafen. Der zweite Versuch fand im Jahr 1982 statt – mit Erfolg. Heute besteht der HEV aus acht Sektionen, nämlich Chur Regio, Davos, Grigioni Italiano, Mittelbünden, Oberengadin, Prättigau, Unterengadin und Surselva.

Der HEV Graubünden zählt Ende 2022 11125 Mitglieder und ist einer der grössten Verbände Graubündens. Trotz Corona und trotz einer umstrittenen Abstimmung zum CO2 Gesetz konnte der HEV Graubünden – im Gegensatz zu vielen anderen Verbänden – einen Mitgliederzuwachs verzeichnen.

Februar

Erstwohnungsknappheit

Im Engadin ist Anfang Jahr das Thema bezahlbarer oder knapper Wohnraum für Einheimische wieder einmal aufgegriffen worden. Neu ist es nicht. Dass sich die Beschränkung des Zweitwohnungsbaus auf den Wohnraum für Einheimische auswirkt, wurde bereits vor der Abstimmung über die Zweitwohnungsinitiative im Jahr 2012 erkannt. Die Lösung des Problems ist nicht einfach und rechtlich heikel. So haben die Gemeinden des Oberengadins eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Situation analysiert und Lösungen vorschlägt. Der Hauseigentümerverband Graubünden hat ein Diskussionspapier mit Lösungsvorschlägen erarbeitet.

Einheimische können beim Verkauf von altrechtlichen Wohnungen nicht mitbieten und laufen so Gefahr, aus dem Wohnungsmarkt verdrängt zu werden.

März

Liberalität und Freiheit: Graubünden hat Nachholbedarf

Welches ist der freieste, der liberalste Kanton in der Schweiz? Der sogenannte «Avenir-Suisse-Freiheitsindex» geht dieser Frage nach und misst, welcher Kanton seinen Bürgern wie viel Freiheit zumutet.

Und nun zum Ergebnis: Freiheitlicher Spitzenreiter ist der Kanton Appenzell Ausserrhoden, gefolgt von Aargau und Schwyz. Das Schlusslicht bilden die Kantone Wallis und Genf. Graubünden rangiert an 20. Stelle – von 26 Kantonen. Wer hätte das gedacht – der freiheitsliebende Kanton Graubünden rangiert im allerletzten Viertel. Die Freiheitseinschränkungen für die Einwohner, aber auch für die Wirtschaft sind also in Graubünden weit überdurchschnittlich. Das heisst mehr Gesetze, mehr Vorschriften, mehr Kontrollen, mehr Einschränkungen und mehr Bürokratie. Im Gegenzug gibt es mehr Subventionen aller Art.

Die Freiheitseinschränkungen in Graubünden sind erheblich – Rang 20 von 26 Kantonen.

April

Tätigkeit der Schlichtungsbehörden für Mietsachen

In Graubünden gibt es in jeder Region eine Schlichtungsbehörde. Die Schlichtungsbehörde ist für sämtliche Streitigkeiten aus Mietverhältnissen über Wohn- und Geschäftsräume zuständig, wie zum Beispiel Mietzinserhöhungen und Kündigung. Sie hat den Auftrag, in einem kostenlosen Verfahren eine Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen.

Gemessen an den 47 000 Mietverhältnissen in Graubünden ist die Zahl der Anfechtungen bei den Schlichtungsbehörden sehr gering. So sind im Jahr 2020 insgesamt 296 Klagen von Mietern und Vermietern bei den Schlichtungsbehörden in Graubünden eingegangen. Dies ist Ausdruck der grossen Zufriedenheit der Mieter und der Vermieter, was auch durch mehrere Umfragen belegt wird.

Die Schlichtungsbehörden versuchen eine Einigung herbeizuführen.

Mai

Jährliches Treffen GVG – AFI – HEV

Vertreter und Vertreterinnen der Gebäudeversicherung Graubünden, des Amtes für Immobilienbewertung und des Hauseigentümerverbandes Graubünden treffen sich jährlich zu einem Informations- und Meinungsaustausch. Dabei wird in einem ersten Teil einerseits Rückschau gehalten und andererseits ein Blick in die Zukunft geworfen. Danach findet ein reger Meinungsaustausch zu Themen rund um die Immobilienbewertung, aber auch zur Gebäudeversicherung statt. Die Vertreterinnen und Vertreter des Hauseigentümerverbandes erhalten unter dem Motto «Wo drückt der Schuh?» die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder Anregungen einzubringen. Abgeschlossen wird der konstruktive und zielführende Meinungsaustausch mit einem Pizzaschmaus.

Ein regelmässiger Kontakt mit der GVG und dem AFI ist für den HEV wichtig.

Juni

Delegiertenversammlung des HEV Graubünden in Pontresina

Der Präsident des HEV Oberengadin, Martin Aebli, und Gemeindepräsidentin Nora Saratz Cazin hiessen die Anwesenden im Kongress- und Kulturzentrum in Pontresina herzlich willkommen. Präsident Thomas Hess freute sich nach zweijährigem Unterbruch, wieder eine physische Delegiertenversammlung durchführen zu können und griff einige Kernthemen auf, so die Wohneigentumsförderung und die Energieversorgung. Er stellte ferner fest, dass die Dienstleistungen des HEV von den Mitgliedern positiv wahrgenommen werden. Dies im Gegensatz zur politischen Arbeit des Verbandes. Der HEV setzt sich auf allen Ebenen – Gemeinde, Kanton und Bund – für die Interessen der Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen ein. Das sei weniger bekannt.

Über 80 Delegierte und Gäste verfolgten mit Interesse das Referat von Gastreferent Dr. Pascal Leuchtmann von der ETH Zürich, «5G – Chance oder Risiko?».

Die statutarischen Traktanden wurden ohne Bemerkungen behandelt und verabschiedet.

Standespräsidentin Aita Zanetti und Regierungsrat Jon Domenic Parolini überbrachten die Wünsche des Grossen Rates des Kantons Graubünden und der Bündner Regierung.

Das Rondo in Pontresina bot den Delegierten ein tolles Ambiente.

Juli

Leerwohnungsziffer

Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht jeweils Mitte Jahr den Stand der leerstehenden Wohnungen. Am 1. Juni 2022 wurden in der Schweiz 61 496 Leerwohnungen gezählt, das sind 1,31 Prozent des Gesamtwohnungsbestands (einschliesslich der Einfamilienhäuser). Somit ist die Leerwohnungsziffer innert Jahresfrist um 0,23 Prozentpunkte zurückgegangen. Und wie sieht es im Kanton Graubünden aus? Im Jahr 2021 betrug die Leerwohnungsziffer 0,87. Im Jahr 2022 0,61 Prozent. Hatte es im Jahr 2021 noch 1536 leerstehende Wohnungen, waren es 2022 noch 1089.

Auch in Graubünden haben die leerstehenden Wohnungen abgenommen.

August

Eigenmietwert wird auf die lange Bank geschoben

Der HEV Graubünden ist einerseits erfreut, dass der Nationalrat den Handlungsbedarf zur Abschaffung der Besteuerung einer fiktiven «Eigenmiete» und die Untauglichkeit der deutlich überladenen Vorlage seiner vorberatenden Kommission (WAK-N) klar erkannt hat. Kein Verständnis hingegen hat der Verband für die Rückweisung der sich seit nunmehr fünf Jahren in der Beratung befindenden Vorlage, hätte doch das Differenzbereinigungsverfahren die Gelegenheit geboten, das Geschäft auf einen mehrheitsfähigen Inhalt zurückzustutzen. Mit der jetzt beschlossenen «Zusatzrunde» muss die WAK-N zwar nun bezüglich der kritischen Punkte (Abzug für private Schuldzinsen, Schuldzinsabzug für Ersterwerber, Unterhaltskostenabzug) über die Bücher. Damit wurde aber die Abschaffung der Eigenmiet-Steuer erneut auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Für den HEV Graubünden stellt sich damit die Frage, ob die Mehrheit des Nationalrates überhaupt willens ist, bei der Wohneigentumsbesteuerung eine Änderung herbeizuführen, oder ob es sich bei der Rückweisung um eine Alibi-Übung handelt. Der Staat ist süchtig nach Immobilienerträgen und trennt sich nur schwer von der Besteuerung des Eigenmietwertes.

Der Staat ist süchtig nach Immobilienerträgen.

September

Imagekampagne

Der Hauseigentümerverband ist mit über 11 000 Mitgliedern einer der grössten Verbände des Kantons Graubünden. Die jährlichen Neuanmeldungen sind erfreulich. Hingegen gibt es zu viele Austritte. Eine Analyse hat ergeben, dass die Gründe für diese Austritte vielfältig sind, so beispielsweise Todesfälle oder Verkäufe der Liegenschaften. Aber es gibt auch zahlreiche Austritte ohne besonderen Grund. Das heisst, man kennt die vielfältigen, nützlichen Dienstleistungen und die politische Arbeit des HEV nicht oder viel zu wenig und gibt den Austritt aus dem Verband.

Aufgrund dieser Ausgangslage hat der Vorstand des HEV Graubünden beschlossen, eine mehrjährige Imagekampagne durchzuführen, welche zum Ziel hat, die Dienstleistungen und die politische Arbeit des Hauseigentümerverbandes bekannter zu machen. So wurde mit einer externen Kommunikationsagentur ein Kommunikations- und Massnahmenplan erarbeitet. Dieser wird nun schrittweise umgesetzt und beinhaltet neben den traditionellen Werbemassnahmen, wie Plakatwerbung und Imagebroschüren, auch den gesamten Social-Media-Bereich. Mit Letzterem will man insbesondere auch jüngere Menschen ansprechen.

Mit Plakaten werden die Dienstleistungen und damit der Nutzen einer Mitgliedschaft beim HEV aufgezeigt.

Oktober

Denkmalpflege: Hürden für die Aufnahme im Bauinventar werden höher gestellt

In der Oktobersession hat der Grosse Rat über das teilrevidierte Natur- und Heimatschutzgesetz debattiert. Dabei wurden die Hürden für die Aufnahme in das kantonale Bauinventar höher -gesetzt. Der Hauseigentümerverband Graubünden (HEV) zeigt sich darüber erfreut – hebt jedoch auch den Mahnfinger.

Die Hürde für die Aufnahme ins Bauinventar wurde erhöht. Der HEV hatte dies in der Vernehmlassung ausdrücklich verlangt. Zukünftig müssen Ortsbilder, Gebäudegruppen und Einzelbauten nicht nur Kriterien wie Seltenheit, Vielfalt, Gefährdung, Eigenart, ästhetische Werte, Lage, Grösse, ökologische Funktion und wissenschaftliche Bedeutung genügen, sondern auch einen äusserst hohen wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen Wert aufweisen. Wobei zwei der drei Kriterien kumulativ erfüllt sein müssen. Damit wird eine exzessive Aufnahme von Gebäuden in die Inventarliste zukünftig unterbunden.

Der Erhalt des baukulturellen Erbes steht nicht zur Diskussion, ebenfalls die Inventarisierung an sich. Hingegen ist die Information der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer ungenügend. Artikel 5 des KNHG verlangt unter anderem, dass die betroffenen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer zu benachrichtigen sind. Der HEV verlangt, dass der Kanton oder die Gemeinden die Eigentümer zeitverzugslos und schriftlich informieren.

Ferner fordert er die Regierung auf, die seit dem Vorstoss von Grossrat Bigliel im Jahr 2019 erstellten Inventare zu überprüfen und sodann zu überarbeiten und/oder zurückzunehmen.

Schutz ja, aber mit Augenmass.

November

Der HEV fährt in Sachen Information zweigleisig: Printmedien und digital

Im Jahr 2022 hat der HEV Graubünden einen wichtigen Digitalisierungsschritt gemacht. Das Magazin Bündner Wohneigentum erscheint als Printausgabe und wird per Post versandt, als E-Paper auf der Homepage und neu in digitaler Form. Der Grund für diese Massnahme ist einfach: Immer mehr Leute lesen Zeitungen und Zeitschriften digital.

Ferner erhalten die Mitglieder in Zukunft etwa viermal pro Jahr die Newsletter «INFO». Dort werden aktuelle Themen aufgegriffen, die das Grund- und Stockwerkeigentum betreffen. Mit diesem Konzept sind die Mitglieder zeitnah über die wichtigsten Entwicklungen informiert.

Das Magazin Bündner Wohneigentum und die Onlineausgabe.

Dezember

Energiemangellage

Die aktuelle geopolitische Lage zeigt uns, dass ein sorgsamer Umgang mit Energie weit über das Erfüllen rein klimapolitischer Zielsetzungen hinausgeht. Die Verfügbarkeit von Energieträgern und die damit verbundenen Energiekosten unterliegen spürbaren Schwankungen. Teilweise sind sie gar von extremen Ausschlägen betroffen.

Im kommenden Winterhalbjahr steht die Versorgung mit Gas und Strom vor enorm grossen Herausforderungen. Die drohende Energiemangellage trifft die Wirtschaft genauso wie auch die gesamte Bevölkerung, Hauseigentümer genauso wie auch Mieter. Die Energiepreise sind in den letzten zwölf Monaten deutlich angestiegen oder haben sich teilweise gar vervielfacht. Weitere Preisbewegungen nach oben sind auch in den kommenden Monaten auf breiter Front wahrscheinlich.

Der HEV Schweiz ist Gründungsmitglied der Energiespar-Alliance unter der Führung und Koordination des Bundesamtes für Energie (www.
alliance2022-23.ch
). Der Verband unterstützt die erforderlichen gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit im kommenden Winter.

Auf der Homepage des HEV finden sich Tipps zum Umgang mit der Energiemangellage.

Jahresrechnung 2022 HEV GR/Budget 2023

Vermögensrechnung per 31. Dezember 2022

Reto Nick

Geschäftsführer HEV Graubünden

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