Bündner Wohneigentum

Online-Magazin des Hauseigentümerverbands Graubünden

Ausgabe 124 | März 2023

Zurück zur Übersicht

Entwicklung der Anzahl Handänderungen im Kanton Graubünden

Das Amt für Immobilienbewertung des Kantons Graubünden (AIB) wertet die Handänderungs-meldungen der Grundbuchämter aus. Gegenwärtig lässt sich eine hohe Anzahl
Transaktionen von Ferienobjekten im Kanton Graubünden nachweisen. Gleichzeitig ist seit letztem Jahr eine Trendwende zu beobachten.

Das AIB analysiert in erster Linie Preise von echten Freihandverkäufen (Verkauf an Dritte), um die Verkehrswerte korrekt einschätzen zu können. Vor einem Jahr hat das AIB die Entwicklung der Anzahl Hand-änderungen nach Objekttypen vorgestellt. Es wurde dargelegt, dass sich die Anzahl gehandelter Wohnobjekte seit 2010 kontinuierlich erhöht hat, mit dem Höhepunkt in den Coronajahren 2020/2021.

Hohe Nachfrage mit sich abzeichnender Trendwende

In den Jahren vor der Corona-Pandemie lag die Anzahl Immobilientransaktionen bei rund 4000 pro Jahr (Jahre 2015 –  2019). Dieser Wert hat sich bis ins Jahr 2021 stark erhöht. Die gleichzeitig eingetretene Preissteigerung lässt darauf schliessen, dass nicht nur das Angebot, sondern vor allem auch die Nachfrage entsprechend stark gestiegen ist. Im Jahr 2022 ist die Anzahl Handänderungen erstmals wieder gesunken, wenn auch noch nicht auf das Niveau vor Corona.

Aufteilung nach Gemeindetypen

Spannend ist in diesem Zusammenhang die räumliche Verteilung der Handänderungen. Die erwarteten Hotspots in den Tourismusgebieten lassen sich mit einer Auswertung nach Gemeindetypen gut belegen. Für die Einteilung der Gemeinden wurde die Gemeindetypologie des Bundesamtes für Statistik (Typologie 2012 mit 25 Kategorien) verwendet, wobei für die Darstellung (siehe Grafik) einige Gemeindetypen zusammengefasst wurden.

In der Kernstadt Chur sowie den städtischen und periurbanen Gemeinden, wie zum Beispiel Trimmis, blieb die Anzahl Handänderungen seit 2015 relativ konstant (blaue Linien).

Anders stellt sich die Situation in touristischen und ländlichen Gemeinden dar. In zentralen Tourismusgemeinden, so zum Beispiel Davos oder Flims (rote Linie), stiegen die Handänderungen bis 2021 stark an, 2022 ist hingegen ein auffälliger Rückgang ersichtlich. Neben der Nachfrageberuhigung seit Ende der Corona-Epidemie kann dies auch mit dem leergekauften Angebot begründet werden. In ländlichen Gemeinden wie beispielsweise Disentis/Mustér oder Surses (braune Linie), ist derselbe Effekt zu beobachten, jedoch mit geringerer Ausprägung.

Im Jahr 2022 ist die Anzahl Handänderungen erstmals wieder gesunken.

In ländlichen Gebieten, wie beispielsweise Küblis, Rheinwald, Lumnezia (grüne Linie), nahm die Anzahl Transaktionen ebenfalls zu und blieb dann 2022 recht konstant. Auch dies kann mit einer erhöhten Nachfrage begründet werden, welche wohl auf zwei Effekten basiert: Einerseits weichen Wohnungssuchende vermehrt in Randgebiete aus, um ihren Traum vom Wohneigentum verwirklichen zu können. Andererseits nutzen auch Zweitheimische die Gelegenheit, Wohneinheiten ohne Nutzungseinschränkungen in ländlichen Gebieten zu erwerben, wenn diese in Tourismusorten zu teuer geworden sind.

Gion-Reto Hassler

Leiter Amt für Immobilienbewertung des Kantons Graubünden

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten

Forum der Meinungen

Lesen

Impressionen der Delegiertenversammlung auf der Madrisa

Lesen