Bündner Wohneigentum

Zeitschrift des Hauseigentümerverbands Graubünden

Ausgabe 114 | September 2021

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Invasive Neophyten sofort erkennen und nachhaltig bekämpfen

Invasive Neophyten, das sind invasive, gebietsfremde Pflanzen, welche unsere einheimischen Pflanzen und die Pflanzenvielfalt bedrohen. Einzelne können für Mensch und Tier gefährlich sein. Wie erkennt man diese und wie bekämpft man sie?

Gemäss Freisetzungsverordnung sollen Tiere und Pflanzen, Lebensgemeinschaften und Lebensräume vor schädlichen Einwirkungen durch den Umgang mit gebietsfremden Organismen in der Umwelt geschützt werden.

In der Schweiz wachsen fast 3000 Pflanzen wild. Ungefähr 750 davon gelten als gebietsfremde Pflanzen (Neophyten). Manche breiten sich schnell und stark aus, weil sie in ihrer neuen Heimat keine natürlichen Feinde haben. Sie verdrängen einheimische Pflanzen und gefährden die Biodiversität. Nicht alle Neophyten sind invasiv. Von den ungefähr 750 Neophyten werden 57 zu den invasiven oder potenziell invasiven Neophyten gezählt.

Invasive Pflanzenarten

Für sämtliche gebietsfremden Pflanzen, von denen man weiss, dass sie Schäden anrichten oder das Potenzial dazu haben, gilt die Sorgfaltspflicht, Selbstkontrolle und Informationspflicht an die Abnehmer. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt betreibt Info Flora das nationale Daten- und Informationszentrum zur Schweizer Flora. Dieses erfasst auch invasive Neophyten.

Die «Schwarze Liste/Black List» bezeichnet die invasiven Neophyten, bei denen aufgrund des aktuellen Kenntnisstands ein hohes Ausbreitungspotenzial in der Schweiz gegeben oder zu erwarten ist. Zudem ist der Schaden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und/oder Ökonomie erwiesen und hoch. Vorkommen und Ausbreitung dieser Arten müssen verhindert werden.

Die «Beobachtungsliste/Watch List» zeigt die invasiven Neophyten auf, bei denen, ausgehend vom heutigen Kenntnisstand, ein mittleres bis hohes Ausbreitungspotenzial in der Schweiz gegeben oder zu erwarten ist. Zudem ist der Schaden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und/oder Ökonomie mittel bis hoch. Vorkommen und Ausbreitung dieser Arten muss zumindest beobachtet werden, und es müssen weitere Kenntnisse zu diesen Arten gesammelt werden.

Wie erkennt man invasive Neophyten?

Am einfachsten und schnellsten erkennt man invasive Neophyten mit dem Neophyten-Checker.

Der kostenlose Neophytenchecker (www.houzy.ch/funktionen/neophyten-­checker) von Houzy in Kooperation mit dem HEV Schweiz ist webbasiert.

1. Pflanze mit dem Smartphone fotografieren und das Bild hochladen.

2. Der Neophyten-Checker durchsucht seine Datenbank und identifiziert die Pflanze.

3. Falls die Pflanze ein invasiver Neophyt ist, erhält man Tipps, wie sie wirksam bekämpft wird.

Auch Lupinien gehören zu den Neophyten.

Wie bekämpft man invasive Neophyten?

Am effizientesten entfernt man invasive Neophyten aus dem Garten, indem man sie komplett ausgräbt – mit allen Sprossen und Wurzeln unter der Erde. Invasive Gehölzarten zu fällen ist keine gute Idee, weil im Umkreis von mehreren Metern Wurzeltriebe emporwachsen können. Zur definitiven Eliminierung muss das Pflanzenmaterial fachgerecht entsorgt werden.

Wichtig ist, die invasiven Neophyten zu erkennen, um sich bei der Bekämpfung entsprechend zu schützen: Manche der Pflanzen geben zum Beispiel einen Saft ab, der bei Kontakt mit der Haut Brandblasen verursacht, oder lösen Allergien aus. Wer unsicher ist, beauftragt lieber Profis mit der Bekämpfung invasiver Neophyten. Zu sämtlichen Arten der Listen invasiver Neophyten der Schweiz gibt es Infoblätter mit Angaben zur Biologie und den Ausbreitungsmechanismen, zu den Standorten in der Schweiz, den Gefahren, der Vorbeugung und Bekämpfung.

Der Kanton Graubünden (Amt für Natur und Umwelt) hat Merkblätter und Empfehlungen zu den invasiven Neophyten ausgearbeitet, bei Unsicherheiten können zudem die kommunalen Ansprechpersonen kontaktiert werden: www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/ekud/anu

Karin Iseppi

Präsidentin, HEV Mittelbünden

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